Archäologie Juli 1998
No. 18
Aktuell
Entdeckungen und neue Funde aus der Region Ingolstadt


Manching, Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm, Baugebiet Donaufeld III

Im Zuge der Erschließungsmaßnahmen für ein Neubaugebiet westlich der Autobahn wurde im
Bereich einer Straßentrasse ein Gräberfeld der sog. Urnenfelderzeit angeschnitten.
Ungewöhnlich ist, dass relativ viele der etwa 40 Gräber, hier ca. die Hälfte, mit einem Kreisgraben
von 1-5 m Durchmesser umgeben waren. Solche Kreisgräben weisen darauf hin, dass über den
Gräbern einstmals kleine Hügel aufgeschüttet waren. Ein Grabhügel ist in dieser Zeit (10./9. Jh.
v.Chr.) eine gesellschaftliche Auszeichnung, die nur wenige Verstorbene erhielten.
Vielleicht wurde hier die "bessere Ecke" eines größeren Friedhofs aufgedeckt.

Aus einem Grab im Nordteil der Ausgrabungsfläche kam ein
ungewöhnliches und zugleich seltenes Fundstück zutage, ein
sog. Klappergefäß. Dabei handelt es sich um eine vogel-
gestaltige Keramikfigur, in deren hohlem Inneren ein Steinchen
oder eine kleine Keramikkugel eingeschlossen ist, die beim
Schütteln der Figur für ein Klappern sorgt.
Da solche Klapperfiguren sehr selten sind, ist es fraglich, ob es
sich nur um ein ganz normales Kinderspielzeug handelt.
Vielmehr könnte es auch einen Gegenstand mit religiöser Be-
deutung darstellen, der im Kultgeschehen eingesetzt wurde.
Dies ist schon deshalb recht wahrscheinlich, da Vögel in der
damaligen Zeit eine große Rolle in der Kultsymbolik spielten.
Keramik-Figur Klappervogel. M. ca. 3:4


     Text und Gestaltung C. Schütz, K.H. Rieder, A. Wegener-Hüssen, J. Weinig - - Foto/Scanvorlage G. Welker - - HTML-Satz K. Scheuerer
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